Archäologie

Eine Burg gefunden

Das letzte Jahrzehnt hat für die Stadt Kindberg die Klärung der Burgfrage gebracht. Mit der Gründung des „Kindberger Georgibergvereines“ im Jahr 1994 ist vieles in Bewegung geraten. Man muss hier erwähnen, dass der verstorbene Kindberger Rechtsanwalt Dr. Hubert Stolla durch viele Jahre die Stadtgemeinde und andere mit der Forderung bedrängt hat, dass Berg und Kirche archäologisch unter die Lupe genommen werden soll. Der Verein konnte – und dass der Verfasser zum Obmann gewählt wurde, war ihm Ehre und Verpflichtung – in den Jahren seither ein großes Arbeitspensum erledigt. Mit Unterstützung der Stadt Kindberg wurde noch im selben Jahr der profanierte Kirchenbau erworben. Damit trat die Stadtgemeinde auch die Last der Erhaltung, die ihr andernfalls doch bald zugefallen wäre, dem Verein ab. Auch dem Bundesdenkmalamt war diese Lösung willkommen. Von der in Aussicht gestellten finanziellen Unterstützung seinerseits wurde noch sehr wenig realisiert.
Der Georgibergverein, und Georgiberg ist nun einmal der durch Jahrhunderte verwendete Name nicht Georgsberg, wie aus der Ferne Wirkende beschönigen zu müssen sich einbilden, hat in wenigen Jahren erreicht, was durchaus nicht selbstverständlich war: Die Aufgabe der Revitalisierung ist eindrucksvoll geglückt. Fleißige Mitarbeiter haben die ärgsten Schäden ausgebessert, so etwa die Stützpfeiler. Wasser- und Stromanschluss wurden realisiert. Die ersten Adventfeiern waren von frierenden Besuchern aufopfernd und mit großer Andacht und Rührung  - trotz lochübersäter Fenster – durchgeführt worden, draußen die fackelerhellte Schneenacht. Es hat sich von Anfang an eingebürgert, dass die weiblichen Vereinsmitglieder heiße Getränke und verschiedene Imbisse liebevoll vorbereitet und kredenzt haben. Der Ort und das Gebäude wurden angenommen. Und seither ist wieder Leben eingekehrt. Georgiritt, Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen usw. sorgen für die Wiederbelebung.
Schon im nächsten Jahr, also 1995, konnte mit der archäologischen Unterstützung begonnen werden. Der um die Kirche vermutete Friedhof war zu sondieren. Die Kenntnis darüber war minimal.
Vereinsmitglieder und Studenten arbeiteten unter der Leitung von Dr. Wolfgang Artner – Dr. Dieter Kramer vom LMJ hatte die Oberaufsicht. Der Verein sorgte für Unterkunft und Verpflegung und die Einbindung von Auswärtigen in die hiesige Gemeinschaft. In den Jahren 1995 bis 1998 wurden 14 Geländeschnitte angelegt. Die zunächst zeigten, dass die Bestattungen ganz nahe der Kirchenaußenmauer in geringerer Tiefe erfolgt waren, die älteste im 10. Jahrhundert (Köttlach II), wie der Fund eines Kopfschmuckringes aus Bronze auswies:¹ Im Umkreis der Kirche ist man auch wiederholt auf prähistorische Schichten gestoßen.
Die Grabung 1996 bis 1998 wurden immer mehr auf das Gelände nordwestlich der Kirche verlegt, wo Gräber nicht mehr vorgefunden wurden, jedoch die Reste eines mittelalterlichen Wehrbaues. Eine 2,20m dicke Mauer wurde in ihren Fundamenten sichtbar. Man geht nicht in die Irre, wenn man hier die lange gesuchte Burg Kindberg vermutet, die im Mai 1267 durch ein Erdbeben zerstört worden ist.
Wenn die Georgibergkirche eine Eigenkirche der Herren von Mürze war, so wird nun klar. dass die Burg unmittelbar daneben stand. Wenn sich die Hochfreien dann „von Chindeberg“ nannten (Konrad und Rudolf), so war dies der Chindeberg, der Berg mit dem Kinde, nämlich mit dem norischen Mädchen auf dem römischen Reliefstein, der heute im Lapidarium in Eggenberg steht. Es war immer zu bezweifeln, dass sie das Ufer gewechselt und eine Burg am Südufer der Mürz errichtet hätten, nämlich auf dem „Hausberg“ bzw. „Hoferkogel“, wo Spuren bis jetzt mit Ausnahme einer Münze aus dem Mittelalter nicht eruiert werden konnten. Es ist anzunehmen, dass die Burg nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut worden ist. Die späteren landesfürstlichen Dienstleute haben ihren Ansitz in Oberkindberg errichtet. Der unmittelbar darunter liegende Markt Kindberg hatte inzwischen wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Damit ist die Expansion der Herren von Mürze/Kindberg vorgezeichnet: Ansitz Herrenberg/Mürzhofen – Kirche Mürzhofen; Burg Kindberg – Georgiberg; Burg Oberkindberg – Ortskirche Kindberg.
Der Georgibergverein hat, freilich auch mit Unterstützung der Stadtgemeinde Kindberg und des Landes Steiermark, die zweistöckige Holzempore – einziger Rest der Innenausstattung – restaurieren lassen, unter aufopfernder Mitarbeit von Vereinsmitgliedern. Sie ist damit nicht nur in alter Schönheit wiedererstanden, sondern auch statisch robuster geworden. Einem Wunsch der Vereinsmitglieder und vieler Ortsbewohner entsprechend wurde im Sommer 1999 der Dachreiter wieder aufgerichtet, der im Jahre 1934 durch Blitzschlag ein Opfer der Flammen geworden war. Damit wird demonstriert, dass es sich bei dem Gebäude ursprünglich um einen Sakralbau handelte, was aus der Ebene nicht unbedingt zu erkennen war, der aber fast tausend Jahre den Bergvorsprung gekrönt hat.

Text von: Mag. Karl Schöberl