Archäologie

Zusammenfassung


Die dreijährigen Sondagegrabungen im Bereich des Kirchenhügels zeigen bereits jetzt Ergebnisse, die weit über die urkundliche Kirchenerwähnung von 1232 hinausgehen.
Eine erste Besiedlung fand dort im 4. Jahrtausend vor Christi zur Zeit der Lasinja-Kultur statt.
Für den langen Zeitraum bis in das Frühmittelalter gibt es keine wie auch immer geartete Evidenz.
Mit der Bestattung 4 in S1/95 konnte der Nachweis erbracht werden, dass schon im 10. Jhdt. (Stufe Köttlach II) ein Gräberfeld bestand; es ist bislang das zweite im Mürztal lokalisierte frühmittelalterliche Gräberfeld, obwohl noch weitere vorhanden sein müssen.
Die frühmittelalterlichen Gräberfelder sind in unserm Raum ausschließliche in Zusammenhang mit Eigenkirchen und/oder Eigenhöfen mit Bestattungsrecht zu sehen.
In den Schnitten rund um die Kirche und in der Schürfung in derselben konnte kein archäologischer Hinweis auf eine frühmittelalterliche oder romanische Kirche gefunden werden. Allerdings gelang der Nachweis von Siedungsschichten, die ebenfalls der Stufe Köttlach II angehören und in Zusammenhang mit dem Gräberfeld zu sehen sind. Es scheint die Situation „Eigenhof mit Bestattungsrecht“ (ohne frühere Kirche?) gegeben zu sein.
Aus dieser Situation ging schließlich eine mächtige mittelalterliche Burganlage hervor, die wahrscheinliche im 14. Jh. nicht mehr bestanden hat. Massive Ausführung und Größe, Funde qualitätvoller romanischer Reliefkacheln und damals noch seltenes Fensterglases lassen den Schluss zu, dass es sich dabei nicht um die Burg eines kleinen Ministerialien sondern eines edlen oder vollfreien Adelsgeschlechtes handelt. Vorläufig, ohne weitere Grabungen, lassen sich noch keine genauen Rückschlüssen auf den Burgtyp ziehen.
Die archäologischen Funde und Befunde rechtfertigen es durchaus, den Georgiberg in die Standortdiskussion der langgesuchten und viel diskutierten Altburg Kindberg (1180 als Chindeberc genannt) ernsthaft einzubeziehen.

Grabungsbericht von Dr. Wolfgang Artner