Archäologie

Ausgrabung 1995

1995 wurde mit drei Schnitten an der Kirchenaußenseite begonnen (S1-S3); einmal steht der Ziegelfußboden im Innere der Kirche unter Denkmalschutz, zum anderen wäre aufgrund der zu vermutenden barockzeitlichen Gräber in der Kirche eine Abklärung archäologischer Fragen nur unter großem zeitlichen und finanziellem Aufwand sowie mit damit einhergehenden großflächigen Zerstörung durch die Ausgrabung verbunden gewesen.
Vorrangiges Ziel der Untersuchung war im ersten Jahr die Baugeschichte der heute bestehenden Kirche sowie die Ausdehnung und das Alter des dazugehörigen Gräberfeldes zu klären.
S1/95 wurde am Kirchenwestportal vor dem Außenaltar angelegt. Schon im rezenten Schutt fanden sich Reste gestörter Gräber. Insgesamt wurden fünf Bestattungen freigelegt, deren Grabgruben zum Teil in den verwitterten Augengneis eingetieft waren. Die Bestattungen waren durchwegs in Ost-West-Richtung orientiert und sind stratigraphisch älter als der Außenaltar, der wahrscheinlich im Zuge der barocken Umgestaltung errichtet wurde. Die Bestattung 1 – 4 waren beigabenlos sowie ohne Trachtbestandeile. Lediglich die durch jüngere Gräber schon gestörte Bestattung 5 enthielt einen Kopfschmuckring aus Bronze als Trachtbestandteil, durch den eine Belegung des Gräberfeld schon im 10. bzw. beginnenden 11. Jh. (Köttlach II) gesichert ist. Die seicht liegenden Bestattungen konzentrieren sich an der Kirchenmauer, im Westteil des Schnittes folgte direkt unter dem Humus der gewachsene Felsen mit rezenten Störungen.
S2/95 wurde hinter der Sakristei radial an die Choraußenmauer angelegt. Die Choraußenmauer sitzt in diesem Bereich direkt auf dem abgearbeiteten, anstehenden Fels auf, ohne das eine Fundamentierung festgestellt werden konnte. Es wurden vier Bestattungen freigelegt, deren Grabgruben in den teilweise steil abfallenden Felsen eingetieft waren. Die Bestattungen, darunter ein Kleinkind, waren divergierend orientiert, da sie dem Gelände folgend angelegt worden waren; bis auf Bestattung 1 waren alle durch den Hangabfall disloziert.
Im Südosten des Schnittes, schon im Bereich des Hanges konnten Reste einer prähistorischen Kulturschicht, atypische Keramik sowie ein verkohlter Holzpfosten festgestellt werden.
Die Bestattungen sind nicht näher zu datieren, ein gefundener handgeschmiedeter Eisennagel ist lediglich ein indirekter Hinweis auf einen ehemals vorhandenen Sarg.
S3/95 wurde an der Ostseite der Sakristei, ebenfalls radial dazu, angelegt.
Östlich der Chormauer konnte im Abstand von 1,8 m dazu ein sorgfältig mit Steinen ausgekleidetes Pfostenloch festgestellt werden. Im Bereich außerhalb des Pfostenloches und dessen Verfüllung wurde rotbemalter Wandverputz, Mörtelreste sowie Keramik des 16./17. Jhs. gefunden. Die Lage des Pfostenloches korrespondiert mit einem Baugerüstloch an der Außenseite des Chores; es kann somit als Rest des Baugerüstes der berocken Umgestaltungsphase interpretiert werden. Aufgrund des gefundnen Wandverputzes war die Kirche vor dem Umbau außen zumindest teilweise rot bemalt.
Zwischen Pfostenloch und Choraußenwand wurden zwei Bestattungen freigelegt die parallel zur Kirche lagen. Die Bestattung mit dem Kopf im Norden war ungestört; es handelt sich hier offenbar um eine Nachbestattung, da de Langknochen der anderen Bestattung sorgfältig zu beiden Seiten der jüngeren platziert waren. Der Schädel lag im Süden. Eisennägel im Bereich der Grabgrube lassen auf einen Holzsarg schließen. Nach dem stratigraphischen Befund wurde das Grab nach der Errichtung der gotischen Kirche und vor der barocken Umgestaltung angelegt. Wie in S2/95 fanden sich hangabwärts Planierschichten mit verziegeltem Lehm, teilweise starken Holzkohlekonzentrationen und prähistorischer Keramik.
Die Unterkante des Kirchenfundaments lag etwa 0,6 m unter der heutigen Oberfläche, eine vorgotische Bauphase konnte ebenso wenig wie ein Fundamentgraben festgestellt werden.